DEN DRITTEN DAS BROT (Roman). Septime 2016.

 

Die Nacht war sternenlos, der Knall gegen die Stoßstange dumpf, die Blutspritzer auf der Windschutzscheibe spärlich, ein Hundeleben in Serbien ist schnell zu Ende, ein Menschenleben auch.

 

War es zumindest vor siebzig Jahren, als ihre Urgroßmutter im Alter von achtundfünfzig Jahren in einem serbischen Internierungslager starb wie eine kranke Fliege – verhungert und liegengelassen im Dreck, dann weggeräumt und verscharrt in einem Massengrab, dachte Klara, als sie die unbedeutende Irritation des Fahrens wahrnahm. Alles in Ordnung, Mama?, fragte sie schnell, doch sie überlegte keinen Moment lang stehenzubleiben, ihre Mutter und sie allein unterwegs in dieser pechschwarzen Nacht in einem Land, das sie bisher nur von deren Erzählungen und aus Zeitungsberichten über die Jugoslawienkriege kannte, ein Land, das ihr fremd war und dem sie sich trotzdem verbunden fühlte, zumindest seit jener Zeit, da die Mutter zu sprechen begonnen hatte, Jahrzehnte, nachdem alles passiert war, erst, nachdem der Brief gekommen war.

DUNKELWEIß - ÜBER DIE VERMEINTLICHE LIEBE (Lyrik). Bibliothek der Provinz 2012.

 

Zweiundzwanzig Gedichte und Bilder über die vermeintliche Liebe, über die Ambivalenz von Sehnsucht und Begehren, über das ewige Thema Liebe und Tod.

Strahlendweiß beginnt diese Geschichte mit absoluter Hingabe und endet tiefdunkel mit Verlassenheit und Todessehnsucht – sowohl in den von einem unverwechselbaren Rhythmus getragenen Texten als auch in den assoziativen, reduzierten Schwarzweißillustrationen.

 

 

 

Du

Bemerkenswerter Irrer

 

Lass mich meinen Rausch

Dir an den Himmelsrand bringen

Zu dem violetten Abendrot vor meinem Fenster

Wenn du mir keine Blumen schenkst

 

 

DIE MUSE BIN ICH (Roman). BIbliothek der Provinz 2006. 


Vielleicht ist dies die Geschichte der Louise Colet, einer zu ihrer Zeit anerkannten und mehrfach von der Académie Francaise ausgezeichneten Schriftstellerin, heute vor allem bekannt als Geliebte und Brieffreundin eines später berühmt gewordenen Provinzdichters mit Namen Gustave Flaubert.

 

Er kam dann im September. So wie sie vorausgesehen hatte, begegnete sie ihm mit aller Freundlichkeit und gefährlicher Offenheit, es dauerte also nicht lange bis sie wieder seine Geliebte und Muse wurde, in den paar Tagen, die er blieb, und zu ihrem Erstaunen blieb diese Stimmung auch in allen diesem Wiedersehen folgenden Briefen erhalten: Sie war seine Schöne und Liebe, seine sanfte Taube und seine wilde Geliebte, vor allem aber schrieb er von seiner Arbeit, schickte ihr Brief um Brief, in denen er auf das genaueste von seinem Tagesablauf berichtete, sie teilhaben ließ an den kleinsten Details der Fragen, mit denen er sich quälte.... mehr 

 


SOWIESO ALLEIN (Jugendroman) Ueberreuter 2009

 

Lena und ihre beste – und einzige – Freundin Klara sind eine verschworene Gemeinschaft. Alles machen sie zusammen: Klamotten kaufen, Drogen konsumieren und Geld stehlen. Doch Klara duldet keine anderen Menschen in dieser engen und symbiotischen Freundschaft. Bis Lena Klaras Eifersucht nicht mehr ertragen kann.

 

Überhaupt redete Klara wahnsinnig gern von sich selbst, und ich musste mir das immer Länge mal Breite anhören. So intensiv wie sie anfangs geschwiegen hatte, so intensiv redete und erzählte sie jetzt, nach der Schule, bei ihr zu Hause, bei mir zu Hause, am Telefon, und natürlich wenn wir zusammen ausgingen, und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie sich nicht im geringsten für meine Sachen interessierte und mich überhaupt nicht mehr wahrnahm, wenn sie so dahin redete und jedes Detail ihres momentanen Problems auf jede nur mögliche  Art beleuchtete und mich dazu um meine Meinung fragte. Sie dachte in diesen Momenten einfach nur an sich und sah nichts mehr von dem, was außerdem noch rundherum war, und sie sah vor allem nur ihr eigenes Leid, und das der anderen zählte nicht, meines schon gar nicht.... mehr



STURZFLIEGEN. Leben in Depressionen und Manien (Roman und Sachbuch) Rüffer + Rub 2001. (gemeinsam mit Heinz Katschnig)

 

Drei Ebenen der Manisch-depressiven Krankheit werden in Sturzfliegen eindrücklich dargestellt: Die Innenseite am Beispiel der Romanfigur Simon, der Alltag der Betroffenen durch zahlreiche Interviews mit Betroffenen und die fachliche Ebene aus der Sicht eines führenden Wissenschaftlers.

 

Simon versank in die Farbe des Wassers, dachte an den Sommer vor zwei Jahren, als Blau in ihm explodiert und er glücklich gewesen war. Mehr als das. Ähnlich unerdenhaft glücklich wie jetzt Ines, der die Schönheit ihrer Welt in rosenrot manchmal so zusetzte, dass sie sie in ihren Tränen zu ertränken müssen glaubte. Unbegreifbar schön hatte auch seine Welt sein können. Schlaflos vor Lebensfreude war er gewesen, die Welt war bunt und hell gewesen, nichts hatte er gefürchtet, alles hatte sich ihm wie selbstverständlich eröffnet, von luftig-leichten Gedanken war er getragen gewesen, und jede Logik und  jedes Denksystem war ihm möglich und offen gewesen. Mit schmerzhafter Genauigkeit erinnerte er sich daran, welche Glücksgefühle das Blau des Himmels in ihm ausgelöst hatten, und wie er mit einem Mal von Blau beherrscht gewesen war....mehr



MAUERSEGELN (Roman) Milena 1998.

 

Mauersegeln erzählt von einer Berufseinsteigerin, die die Realität der von Männern dominierten Arbeitswelt erlebt. Die Wiener Autorin Gabriele Vasak schildert in ihrem Romandebüt literarisch versiert und perspektivisch konsequent das Funktionieren von Machtmechanismen.

 

Sie hatte lange nach Arbeit gesucht.

 

Zu Beginn war sie wählerisch gewesen. Sie hatte sich interessante Firmen aus dem Telefonbuch herausgesucht, hatte sich Zeit genommen für die Bewerbungsschreiben, hatte Zeugnisse kopiert, einen perfekten Lebenslauf verfaßt, genauso wie es in den Handbüchern für Arbeitssuchende beschrieben war.

 

Meistens hatte sie keine Antwort bekommen, selten eine höflich formulierte Absage: Derzeit kein Bedarf, man werde sie aber in Evidenz halten.

 

Nach einigen Wochen hatte sie einen Anruf erhalten: Man lade sie zu einem Vorstellungsgespräch ein. An einem Montagmorgen war sie früh aufgestanden, hatte ihr schönstes Kleid angezogen, sich zwei Stunden auf das Gespräch vorbereitet, alle möglichen Fragen im Geist durchgespielt. Sie war nervös, aber voller Hoffnung gewesen, sicher, daß sie überzeugen würde... mehr

 

 

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Because my dreams

are made of iron and steel

with a big bouquet of roses

hangin´down

from the heavens

to the ground

 

B. Dylan